Oscars 2015 – Mein Bericht

Das ich mal einen Text zu den Oscars schreibe, hätte ich selbst kaum gedacht. Zwar bin ich wirklich ein Fan des guten Films, doch noch lange eine Expertin und komme oft nicht dazu, alle wichtigen Filme der Verleihung zu sehen. Dieses Jahr bin ich aber durchaus schon vorher in den Genuss einiger Nominierten gekommen, auch wenn es ruhig noch einige mehr hätten sein können. Außerdem habe ich zum ersten Mal die komplette live Übertragung verfolgt, wodurch ich mir nochmal ein ganz besonderes Bild von den Nominierten und Gewinnern machen konnte, als in den Jahren zuvor.

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Schließlich schwirren mir so viele Gedanken zu diesem großen Hollywood Event im Kopf herum, dass ich es mir nicht nehmen lasse doch einen kleinen Beitrag dazu zu verfassen. Dabei geht es aber vor allem, um die Gewinner der großen Kategorien, weil ich über nichts urteilen will, von dem ich keine Ahnung habe. Auch zur Veranstaltung selbst kann ich nicht viel sagen, da ich noch nie eine Verleihung so genau verfolgt habe und nicht weiß, was da jetzt üblich oder unüblich war. Neil Patrick Harris war aber als Host ganz akzeptabel. Wahrscheinlich wurde nach der aufbrausenden Show von Ellen DeGeneres im letzten Jahr einen Gang zurück geschaltet, aber das ist schon in Ordnung. Kommen wir zu den Siegern des Abends:

Bester Nebendarsteller: J. K. Simmons in Whiplash
Diesen Teil der Verleihung gab es für das deutsche Publikum leider nicht zu sehen, da die Übertragung gleich zu Anfang für etwas fünf (sehr lange) Minuten unterbrochen war. Zum Gewinner kann ich leider auch wenig sagen, aber nachdem was ich so gehört und im Trailer gesehen habe, scheint er es wohl zu verdienen. Einen Edward Norton (Birdman) hätte ich natürlich auch gerne auf der Bühne gesehen, wobei ich mit Ethan Hawke (Boyhood), trotz guter Performance eher weniger gerechnet habe.

Beste Nebendarstellerin: Patricia Arquette in Boyhood
Da hat die kleine aus Medium doch tatsächlich einen Oscar bekommen und bildete damit auch meine persönliche Enttäuschung des Abends. Keine Frage ist Boyhood ein echt guter Film, aber Arquette spielt eben nicht mehr und nicht weniger als eine alleinerziehende Mutter, die die ein oder andere schwere Ehe durchstehen muss. Da hätte ich es wirklich lieber Emma Stone gewünscht, die mich in Birdman echt umgehauen hat und es sichtlich verdient hätte.

Bester Hauptdarsteller: Eddie Redmayne in Die Entdeckung der Unendlichkeit
Es war wunderbar anzustehen, wie herzhaft sich Eddie über diesen Preis gefreut hat. Wahrscheinlich weil es wohl auch eine kleine Überraschung war, dass der Preis an ihn ging. Wie auch ich, hatten viele mit Michael Keaton (Birdman) gerechnet und auch mit Benedict Cumberbatch (The Imitation Game) und Bradley Cooper (American Sniper), war die Konkurrenz recht groß. Ich hab den Film zwar nicht gesehen, aber als während der Laudatio nur die paar Szenen gezeigt wurden, war ich mir sicher, das der Oscar an ihn gehen würde. Da muss ich auf jeden Fall was nachholen.

Beste Haupdarstellerin: Julianne Moore in Still Alice
Auch hier kann ich leider nur eine der Nominierten richtig beurteilen und hätte vielleicht sogar auf Rosamund Pike (Gone Girl) getippt. Aber ich bin auch in jedem ihrer Filme ein riesen Fan von Julianne Moore und bin froh, dass sie nun endlich auch die Trophäe in den Händen halten darf. Der Trailer hat mich schon im Kino sehr mitgenommen und steht deswegen ganz weit oben auf meiner Liste.

Beste Regie: Alejandro González Iñárritu für Bridman
Keine wirkliche Überraschung, wenn man sich den Film einmal anguckt. Konkurrenz hätte er vielleicht noch von Wes Anderson bekommen können. Obwohl wenn ich es mir recht überlege eigentlich auch nicht. Aber ehrlich gesagt hätte ich es auch Boyhood herzlichst gewünscht. Nicht nur weil der Film zwölf Jahre gedreht wurde und unglaublich gut geworden ist. Sondern weil er trotz alle dem, nur einen Award bekommen hat, der in meinen Augen noch nicht mal verdient war. Aber das ist meckern auf hohem Niveau. Birdman hat es auch mehr als verdient.

Bester Film: Birdman oder (die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
Hier war die Auswahl erstaunlich gut und es hätte in meinen Augen auch jeder gewinnen können. Aufgrund politischer Themen hätte ich wahrscheinlich sogar auf Selma oder The Imitation Game gesetzt. Ich weiß leider nicht mehr wer es war, aber kurz vor der Show sagte jemand auf dem roten Teppich, der beste Film würde wahrscheinlich an Birdman gehen, da die Academy gerne Filme auszeichne, die über sie selber handeln, sprich über das Showbusiness. Eine Theorie die sich wohl bewahrheitet hat und mit dessen Ergebnis ich vollkommen zufrieden bin. Der Film war echt der Hammer.

Um noch ein paar Zahlen zu nennen. Birdman ging schließlich mir neun Nominierungen und vier Awards als Sieger des abends hervor. Zwar hatte auch Grand Budapest Hotel neun Nominierungen und vier Auszeichnungen, jedoch in den etwas kleineren, aber dennoch verdienten Kategorien, wie Kostüm und Maske. Ansonsten, ist in einer recht bunten Mischung wahrscheinlich jeder auf seine kosten gekommen und ich könnte keinen als Verlierer bezeichnen. Außer vielleicht Interstellar, das aber schon bei den Nominierungen völlig übergangen wurde, aber immerhin noch eine Trophäe für beste Visuelle Effekte bekommen hat.

So kann ich im großen und ganzen sagen, das ich doch recht zufrieden mit den diesjährigen Oscars bin, auch wenn mich das mit Patricia Arquette echt ein bisschen wurmt. Aber die Oscars sind eben nur die Oscars und auch irgendwann vorbei, bis im nächsten Jahr neue kommen. Jetzt heißt es erst mal, sich für die verdienten Gewinner zu freuen und ein paar Filme nachzuholen.

Film: The Kids Are All Right (2010)

1111 Regie: Lisa Cholodenko

Kinostart: 18. Nov. 2010

Lauflänge: 107min

Genre: Drama

Ich hab schon länger keinen Film mehr bewusst im Fernsehen gesehen. Der Grund dafür sind natürlich die häufigen Werbeunterbrechungen und dass ich nicht selbst entscheiden kann, wann ich mal auf Pause drücken möchte. Zum Glück kann durch die öffentlich rechtlichen Sender wenigstens eines dieser Probleme gelöst werden.

Inhalt:
In The Kids Are All Right wird das Leben einer ganz besonderen Familie porträtiert. Mutter Nic
(Annette Bening) und Mutter Jules (Julianne Moore) führen mit ihrem zwei Kindern eine glückliche Ehe. Vor Jahren entschieden sie sich dazu, sich beide von dem selben Spender künstlich befruchten zu lassen, um so eine Familie zu schaffen. Nachdem Tochter Joni (Mia Wasikowska) 18 Jahre alt geworden ist, entschließt sie sich mit ihrem Bruder Laser (Josh Hutcherson) dazu, ihrem Erzeuger kennen lernen zu wollen. Und dieser beginnt das Leben der Familie ziemlich aufzumischen…

Auch wenn sich die Story recht simpel und vorhersehbar anhört, wird einem von Anfang an nicht so recht klar, in welche Richtung dieser Film führen soll. Zuerst mach es den Eindruck, als würde es vorrangig um die beiden Kinder und deren Beziehung zu ihrem Vater gehen. In der Mitte des Films wiederum wird der Fokus mehr auf die Eheprobleme der beiden Frauen gelegt, was die Handlung der Kinder etwas in den Hintergrund drängt. Auch wenn dieses Ungleichgewicht etwas verwirrend wirken kann, dient es letztendlich nur dazu, die Probleme der ganzen Familie von allen Seiten zu beleuchten. Vielleicht hätte sich das auch etwas geschickter lösen lassen, aber für mich hat es auch so gezündet. Einzig allein das Ende hat sich dann etwas gezogen und ein paar Szenen weiniger hätten dem Film auch nicht geschadet.

Ich war ja schon immer ein großer Fan von Julianne Moore, weil sie mich bisher einfach noch nie enttäuscht hat. Und so ist es auch hier. Aber auch der Rest der Besetzung spielt sehr ehrlich und überzeugend, sodass man, auch wenn die ganze Situation etwas skurril war, doch abgekauft hat, was sie dort erlebten. Auch über die Rolle der ziemlich jung wirkenden Mia Wasikowska habe ich mich sehr gefreut. Konnte ich in Alice im Wunderland noch überhaupt nichts mit ihr anfangen, so hat sie mich in Stoker regelrecht vom Hocker gehauen und auch jetzt hat sie gezeigt, dass eigentlich schon früh klar sein dürfte, dass da noch sehr viel Potential in ihr steckt.

Es ist von der Handlung her also ein etwas anderes Familiendrama, das in sich geschlossen aber recht simpel und nett anzusehen ist. Dabei wirkt es gleichzeitig auch noch so ehrlich und aus dem Leben gegriffen, dass man sich kaum fremd vorkommt.
Einziges Manko war hierbei die deutsche Tonfassung, die sonst ja immer recht akzeptabel, bei diesem Streifen allerdings völlig versch***en wurde. Dabei ist er ja noch gar nicht so alt, aber jedem der die Wahl hat, würde ich den O-Ton empfehlen.

Berwertung: 7.5/10.0