Vier Künste gegen Hass – #BloGeHa

Auch bei mir hat die YouTube Aktion #YouGeHa deutlichen Anklang gefunden und als Sarah Marias Blog dies auf die Bloggerwelt übertragen hat, konnte ich mir es natürlich nicht nehmen lassen, auch meinen Beitrag dazu zu leisten. Also ganz richtig ist das nicht. Zuerst bin ich durch Frau Margaretes Beitrag auf die Aktion gestoßen. Sie stellte eine wunderbare Auswahl von Filmen gegen Hass zusammen und das inspiriere mich irgendwie.
Da es auf meinem Blog jedoch nicht nur um Filme geht, sondern auch um Serien, Bücher und Musik, möchte ich aus jeder Kategorie etwas vorstellen, das gegen Hass in allen möglichen Lebens- und Gesellschaftsformen ist. Ganz so einfach war es nicht, aber was ich gefunden habe, hat es durchaus in sich und ist dieser Aktion auf jeden Fall würdig.

Buch: John Boyne – Das Späte Geständnis des Tristan Sadler
Quelle: www.gofeminin.deEin Buch das glaube ich gar nicht so vielen bekannt ist, jedoch eine äußerst traurige Geschichte erzählt. Dabei muss ich jedoch aufpassen nicht zu viel zu verraten.
Tristan Sadler erzählt der Schwester seines gefallenen Kameraden Will was sie ihm Krieg alles erlebt haben. Dabei kommen erschütternde Tatsachen ans Licht, die auch Tristans Leben weiter prägen. Das vorherrschende Motiv des Buches ist natürlich der erste Weltkrieg, in dem junge Männer voller Begeisterung für ihr Land eingezogen sind und gegen andere Nationen aufgehetzt wurden, um politische Probleme auf blutige Weise zu lösen. Doch das Buch zeigt in Tirstans intimen Bericht nicht nur den Hass gegen die Kriegsgegner, sondern auch gegen die eignen Kameraden, gegen Kriegsdienstverweigerer und Leute die sich bewusst gegen das System wenden. Und schließlich auch einen den Hass der Gesellschaft, mit den Tristan bin in die Gegenwart kämpfen muss und die ihn dazu brachte, trotz seines Ruhms, nur noch in Angst und Vereinsamung zu leben.
Boyne zeigte ja schon mit Der Junge im gestreiften Pyjama, wie erschütternd und widersprüchlich der Hass gegen bestimmt Menschengruppen ist. Dieses etwas unbekanntere Werk seinerseits ist mindestens genauso lesenswert und verbindet vermeintlich vergangene und gegenwärtige Werte auf erschränkende Art.

Film: Gran Torino (2008)
Quelle: imdb.comDer stolze Amerikaner (mit polnischen Wurzeln, versteht sich) Walt Kowalski (Clint Eastwood) lebt in einer kleinen Vorstadt, welche ihre frühere Idylle längst verloren hat. Die Nachbarschaft setzt sich nun mehr aus afroamerikanischen kriminellen Gangs und ostasiatischen Einwanderern zusammen. Für Walt also die Hölle auf Erden. Doch er muss erleben, dass diese Menschen ihn mit der Zeit mehr schätzen als seine eigenen Familie. Nun weiß der sture, rassistische alte Mann selber nicht, wie er diesen, wohl durchaus freundlichen Menschen, gegenübertreten soll, die er doch so verabscheut.
Als einer meiner liebsten Clint Eastwood Filme, zeigt Gran Torino wunderbar, dass Hass nicht nur auf Gegenseitigkeit beruht und dass es nie zu spät ist sich zu verändern, auch wenn man dafür zu stolz scheint. Und schließlich zeigt er, dass wir uns doch alle ähnlicher sind, als wir glauben, auch wenn sich viele etwas anderes einreden. Ich denke dieser Film kann jedem zum nachdenken erregen, denn selbst wer stets von sich behauptet ein guter Mensch zu sein (oder eben nicht) weiß noch immer nicht, wie er wohl möglich von außen betrachtet wirkt.

Serie: One Tree Hill „Bilder von dir“ (4.13)
Quelle: coolspotters.comHier habe ich keine ganze Serie gewählt, die auf Hass aufmerksam macht, auch wenn es beistimmt eine gibt, die ich nur noch nicht gesehen habe. Dafür habe ich mir eine ganz bestimmte Folge des High-School Dramas One Tree Hill ausgewählt. Zwar geht es nicht unbedingt um Hass, aber dennoch um Voreingenommenheit, Rücksicht und Aufmerksamkeit.
Unsere Protagonisten und ihre Mitschüler befinden sich kurz vor ihrem Schulabschluss und zu diesem Anlass, überlegte sich der Lehrer eine ganz besondere Schulstunde. Die Schüler der Klasse werden zu willkürlichen Paaren ausgelost und erhalten einen Fragebogen, sowie eine kleine Kamera. Sie sollen sich zusammen an irgendeinen Ort der Schule zurückziehen und durch die Fragen ins Gespräch kommen und sich vielleicht besser kennen lernen. Beendet wird das Projekt mit einen aussagekräftigem Foto für das Jahrbuch.
Unter Fans wird diese Folge oft als etwas schwächer angesehen, aber für mich ist es eine der besten der Serie. Sie sticht ziemlich aus dem üblichen Serienalltag heraus und könnte deswegen auch gut für sich alleine stehen. Doch was macht die Folge so besonders? Die Paare, die aufeinander treffen, sind teils alte Freunde und teils völlig Fremde. Doch alle schaffen es, sich auf einer neunen Ebene kennen zu lernen. Sie erzählen von persönlichen Erlebnissen, Ängsten, Geheimnissen oder erkennen sogar Gemeinsamkeiten. Ohne diese Schulaufgabe hätten sie das wahrscheinlich nie gesehen oder sogar nie miteinander gesprochen. Somit führt einem diese Folge vor Augen, dass, wenn wir unseren Horizont etwas erweitern und mehr auf die Menschen und Freunde in unserer Umgebung achten, viel neues über uns selbst und andere lernen können.

Musik: Rise Against – Hero of War (Appeal to Reason)
Das Thema Musik fiel mir besonders schwer, weil es darin so viel Auswahl gibt, die ich noch nicht kenne. Trotzdem musste ich gleich auf Anhieb an meine Lieblingsband aus dem Bereich Punk/Rock/Melodic-Hardcore denken, Rise Against. Bei Punk Bands im Allgemeinen und vor allem bei dieser hier, ist es ja fast üblich, dass sie sich in ihrer Musik mit gesellschaftlichen und weltverbesserden Themen auseinandersetzen. Deswegen gibt es wahrscheinlich eine Menge Songs, die hier rein passen würden, ich hab mich jedoch für meinen persönlichen Klassiker entschieden.
Hero of War ist eine Ansage gegen die Kriegsführung. Zwar wird es nicht namentlich erwähnt, aber es lässt sich klar erkennen, dass vor allem der kriegerische Patriotismus der Amerikaner gemeint ist. Inhaltlich geht es in dem Liedtext um einen jungen Mann, der für sein Land in den Krieg zieht und dort schlimmes erlebt. Jedoch merkt er mit der Zeit selber, wie ihn der Zusammenhalt dort begeistert und er beginnt, trotz anfänglicher Zweifel, Leute zu schikanieren und zu foltern. Erst als er einen wehrlosen Zivilisten erschließt, wird ihm klar, dass er dort nicht hingehört und das all die Auszeichnungen, Narben und die Flagge für die er kämpf, doch eigentlich wertlos sind.
Soweit meine Interpretation des Textes, zu der eigentlich nicht viel hinzu zu fügen ist. Einen Krieg gegen fremde Mensche, im Namen des Landes und seiner Politik zu führen, ist mehr als nur falsch. Dabei auch noch die Naivität junger Menschen auszunutzen und unbegründeten Hass zu schüren, der sich nur in den seltensten Fällen rückgängig machen lässt, sollte verboten gehören. Um die Eindringlichkeit und Ernsthaftigkeit, mit der die Band diese Botschaft rüber bringt, versteht sich umso besser, wenn man es selbst hört.

Das waren sie also. Die vier Vertreter meiner liebsten Formen der künstlerischen Darstellung, die uns und auf Hass, Ignoranz, Schubladendenken, Verbrechen und noch vieles weiteres, was man nicht so einfach übersehen sollte, aufmerksam machen. Wahrscheinlich gibt es noch viel mehr Bücher, Filme, Serien oder Songs die das umso besser zeigen und dafür sollten wir dankbar sein. Natürlich nicht für die Gründe solcher Darstellungen, sondern vielmehr dafür, dass sie uns auf Dinge aufmerksam machen, die viel zu oft vergessen oder einfach übersehen werden.

Wer nun auch inspiriert ist, sich an dieser Aktionen zu beteiligen, findet alle nötigen Infos auf Sarah Marias Blog. Die Blogparade geht noch bis zum 28. Februar und ist es definitiv wert weiter getragen zu werden.

John Boyne: Der Junge mit dem Herz aus Holz (Rezension)

u1_978-3-596-85477-6Erschienen: März 2012

Verlag: Fischer Verlag

ISBN: 9783596854776

Genre: Kinderbuch

Ich liebe ja solche Kinder und Jugendbücher, in denen auch ältere Leser ihren Anspruch finden. Und gleichzeitig habe ich in letzter Zeit auch noch Gefallen an John Boyne gefunden, sodass ich mit Freuden zu diesem Buch gegriffen habe.

Klappentext:
Eines Morgens läuft Noah von zu Hause fort. Ein einsamer Waldweg führt ihn zu einem Spielzeugladen voller Zauber und Magie. Hier lernt Noah einen sehr ungewöhnlichen Spielzeugmacher kennen. Der alte Mann hat viel zu erzählen. In seiner Geschichte geht es um Abenteuer, Wunder und gebrochenen Versprechen. So nimmt er Noah mit auf eine Reise. Eine Reise, die Noahs Leben verändern wird. Und die auch unser Leben verändern könnte.

Rezension:
Ich ahnte sofort, dass Boyne hier eine sehr liebevolle und auch liebenswerte Geschichte geschaffen hat, die nicht unbedingt durch ihre Grundstory überzeugt, sondern eher durch Kleinigkeiten. Die Welt in die man hier eintaucht scheint ganz normal zu sein, doch mit der Zeit wird einem erst klar, dass es eine fast schon verzauberte Märchenwelt ist. Diese wird keines Wegs überheblich oder besonders auffällig dargestellt. Es kommt viel mehr auf kleine Details an, die einen immer wieder zum Schmunzeln bringen.
Die Intention die dahinter steckt wird einem schon relativ schnell klar, doch ich fand noch besonders schön, dass man erst gegen Ende des Buches erfahren hat, was für eine Geschichte eigentlich noch in dieser Geschichte steckt.

Natürlich liest dich das Buch recht schnell, weil es ja für Kinder gedacht ist. Ich persönlich lese solche Geschichten jedoch sehr gerne und hatte deshalb gerade in den kalten Wintertagen meine Freude damit. Zum abendlichen Vorlesen ist es denke ich auch ein Ideales Werk und deshalb eine große Empfehlung an alle Eltern, die ihren Kindern eine wirklich nette und liebevolle Geschichte präsentieren wollen.

John Boyne: Das späte Geständnis der Tristan Sadler (Rezension)

Erschienen:  Februar 2012

Verlag: Arche Verlag

ISBN: 9783716026649

Klappentext:
„London, September 1919: Der junge Tristan Sadler steigt in einen Zug. Er fährt nach Norwich, um sich dort mit Marian Bancroft, der Schwester seines toten Kameraden Will, zu treffen. Will und Tristan waren Freunde, die Seite an Seite im ersten Weltkrieg gekämpft haben, bis Will eine folgenschwere Entscheidung traf. Tristans Bericht ist erschütternd, und doch bleibt er Marian die schreckliche Wahrheit schuldig – vorerst.“

Rezension:
Mit dem Ziel, der Schwester seines gefallenen Kameraden ein Bündel Briefe zu überreichen, fährt Tristan Sadler nach Norwitch. Der Erste Weltkrieg ist vorüber, doch noch immer plagen ihn die Gedanken und Erinnerungen, um die Vorfälle an der Front und den Tod seines Freundes Will. Nun erzählt er ihr die ganze Geschichte und erst im letzten Moment bringt er es übers Herz, ihr die ganze Wahrheit zu berichten.

Es ist nicht so wie ich es zuerst gedachte habe. Nämlich, dass Tristen, in einen unendlichen Redeschwall gelangt, in dem er Marian alles erzählt. Nein, es wurde viel interessanten gestaltet. Die Kapitel erzählen abwechselnd von seiner Zeit im Krieg und seinem Besuch in Nowitch. Teilweise sind sogar Erinnerungsstränge aus seiner Zeit vor dem Krieg zu lesen. Diese drei Perspektiven, vor dem Krieg, während des Krieges und nach dem Krieg, gebieten einen facettenreichen Einblick in Tristans Persönlichkeit. So merkt man sofort, dass er im Krieg eine starke Charakterwandlung durch gemacht haben muss und das ist es auch, was neugierig macht.
Auch bei der Gestaltung des Charakters der Marian, nutzt Boyne seinen Spielraum aus und man hat sie schon nach ein paar einen Dialogen mit Tristan durchschaut. Selbst wenn der Mittelteil ein bisschen zäh wirkt, weil es an einigen Stellen schon vorausschauend wird, hat mich das letzte Drittel des Buches vollkommen in den Bann gezogen. Die Geschichte nimmt einen hinreisenden Lauf und hat mich sogar schon fast zu Tränen gerührt.

Boyne versteht es wirklich, schon nach wenigen Sätzen ein umfassendes Charakterbild zu schaffen, so das man im Laufe der Geschichte an nicht anderes mehr denken kann, als die Gedankenstränge von Tristan, Will, Marian und der vielen, äußerst komplexen Nebencharaktere. Außerdem ist es ihm vor allem in den letzten Kapiteln sehr gut gelungen, die Emotionen in Worten zufassen. So kam es schon vor, dass ich auf den letzten Seiten, das Buch weglegen mussten und einfach nur mit offenem Mund da saß, weil ich schon fast nachfühlen konnte, was Tristan durchgemacht hat.
Es ist ein wirklich Herz zereisendes Buch, das in ein paar Jahren sogar zum Klassiker werden könnte und ich sehe auch schon die Kinoleinwand hell aufleuchten.