Stephen King: Die Arena

die_arena-9783453435230_xxlErschienen: 2009

Verlag: Heyne

Genre: Roman

ISBN: 978-3-453-43523-0

Es war schon ein ziemlicher Brocken und dementsprechend lange habe ich auch dafür gebraucht. Doch nun kann ich mit Stolz behaupten, noch einen King hinter mich gebracht zu haben. Viele schwören ja auf diesen Autor, viele sehen ihn eher mit skeptischem Blick und einige könnten ganz auf ihn verzichten. Ich bin ein bisschen von allem und das zeigt sich besonders bei diesem Werk.

Urplötzlich stülpt sich eines Tages eine unsichtbare Kuppel über Chester’s Mill. Die Einwohner der neuenglischen Kleinstadt sind komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Es gibt kein Entrinnen – als die Vorräte zu Neige gehen und kein herkömmliches Gesetzt mehr gilt, beginnt ein bestialischer Kampf ums Überleben…

Entsprechend der Zeit, die ich für dienen 1300 Seiten starken Wälzer gebraucht habe, bauchte ich auch meine Zeit, um ihn revue passieren zu lassen. Und jetzt weiß ich immer noch nicht so recht wo ich anfangen soll. Wahrscheinlich erstmal damit, dass ich mich nicht gerade als Stephen King Experte bezeichnen würde, da dies erst das zweite Buch ist, was ich von ihm gelesen habe. Trotzdem wage ich mal zu behaupten, dass Die Arena kein klassischer King-Horror-Roman ist. Zwar befindet man sich allgemein schon in einem ziemlichen Schreckensszenario, aber es sind weniger die gruseligen Momente die einen erschaudern lassen, sondern mehr die menschlichen Abgründe die hier offen gelegt werden.

Trotz seiner Länge umfasst die Geschichte einen relativ kurzen Zeitraum und geht somit schon mal in eine andere Richtung, als ich erwartet hatte. Schließlich sind bei so einem Szenario ja gerade die Langzeitentwicklungen interessant. Doch doch da sich die Ereignisse geradezu überschlagen, kommt es erst gar nicht so weit. Das hat mich dann schon etwas überrascht, da ja auch der Klappentext diese Erwartung schürt (SPOILER: Wie können „die Vorräte zu Neige gehen“ wenn die Geschichte nach einer Woche beendet ist?).

Sehen wir mal davon ab, weißt der Roman trotz der relativ kurzen Handlungszeit eine enorme Komplexität auf. Das zeigt sich schon an dem umfangreichen Personenverzeichnis, welches eine große Hilfe ist, wenn man mal wieder den Überblick verloren hat. Es ist nämlich tatsächlich so das die meisten der verzeichneten Personen einen eigenen Handlungsstrang verfolgen. Somit hat man aus der auktionalen Perspektive einen Blick auf verschiedenste, parallel verlaufende Handlungen, die sich teilweise überschneiden, beeinflussen oder ganz für sich alleine stehen. Natürlich birgt solch eine komplexe Handlung auch Platz für kleine Logiklücken oder Geschichten die sich einfach ins Nichts verlaufen. Besonders gravierende Fehler waren nach meiner Erkenntnis aber nicht dabei und zum Ende fügt sich auch alles in einem spannendem Finale zusammen.

Besonders spannend ist natürlich das Zusammenspiel von Protagonisten und Antagonisten. Teilweise werden deren Absichten und Charakterzüge so deutlich dargestellt und gegeneinander ausgespielt, dass man nicht immer weiß, ob es einfach nur übertrieben oder tatsächlich menschliche Realität ist. Wahrscheinlich ist es eher zweites, was einem so Angst macht. Da mir von Anfang an klar war, dass es hier mehr um das menschliche Verhalten geht, war es mir auch nicht so wichtig den Ursprung der ausschlaggebenden „Kuppel“ zu ergründen. Zwar fand ich diesen Teil der Handlung auch durchaus spannend, aber ich wäre auch ohne ausgekommen. Da aber nicht jeder so denkt, kann ich mir gut vorstellen, dass der eine oder andere mit dem Ende nicht ganz zufrieden war.

Es bleibt also nicht mehr viel zu sagen. Schließlich ist es durchaus kein perfektes Buch, aber dennoch unglaublich spannend und gut durchdacht. Man verfolgt jede Handlung aufs gleiche mit großem Interesse und ist durchaus faszinierend von diesem komplexem Gestrick aus Charakteren und Handlung. Und auch wenn ich mit einer völlig anderen Ausgangssituation gerechnet hatte, konnte ich diesem langem Buch mit vergleichsweise kurzer Handlung doch so einiges abgewinnen.

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Quelle: www.hanser-literaturverlage.deErschienen: 2012

Verlag: dtv Reihe Hanser

Genre: Roman

ISBN: 978-3-423-62583-8

Klappentext:
Hazel Grace und Augustus lernen sich in einer Selbsthilfegruppe für Krebspatienten kennen. Was hier beginnt ist eine der ergreifendsten und schönsten Liebesgeschichten der Literatur.

Rezension:
Meistens erfahre ich von den guten Büchern immer erst, wenn schon die Verfilmung ansteht. Obwohl ein Film ja nicht immer das Indiz für einen gutes Buch sein muss. In diesen Fall habe ich sowohl von Lesern als auch nicht-Lesern nur begeisternde Worte über Buch/Film und überhaupt diese ganze Geschichte gehört. Dabei bin ich eigentlich immer recht skeptisch, wenn mir schon so viel Honig um den Mund geschmiert wird und habe erst recht hohe Erwartungen.

Natürlich glänzt diese Geschichte schon in der Inhaltsangabe nur so vor Kitsch und Romantik und eigentlich kann man sich auch schon denken, dass das Ganze entweder auf die eine oder andere Weise enden wird. Doch trotz dieser recht typischen und vorhersehbaren Handlung, schafft es der Autor, einen völlig in den gefühlsbeladenden Bann dieser traurigen Liebesgeschichte zu ziehen. Dabei sind es vor allem die keinen Anekdoten und Dialoge, die dieses Buch ausmachen.

Mit viel Feingefühl schafft es John Green, dieses bewegende Thema mit dem nötigen Maß an Ernsthaftigkeit, aber auch einer gesunden Priese Selbstironie zu verpacken. Während die Hauptcharaktere auf der einen Seite einen wunderbaren Humor beweisen, können sie im nächsten Moment aber auch herzergreifend Philosophisch sein. Das ist es wohl, was beim Leser ein ziemlich starkes Mitgefühl auslöst. Nicht nur die Thematik des Todes, sondern der inspirierende Umgang der Charaktere mit dem Leben werden hier vermittelt.

Auch wenn das Buch mit seien 300 Seiten recht schnell gelesen ist, hat man nicht das Gefühl, dass einem einfach nur die Handlung vom Anfang bis zum Ende erzählt wird. Es wird einem noch so viel mehr über das Ende und die rationale Handlung hinaus mitgeteilt, was einem zum nachdenken erregen kann. Da es also nicht einfach nur eine Liebesgeschichte zweier tragischer Schicksale ist, sondern einen durchaus philosophischen Anspruch hat, kann man es auch nicht bloß als Jugendbuch abstempeln. Auch wenn aus rein kommerzieller Sicht vielleicht diese Zielgruppe angesprochen wurde, kann und sollte dieses Buch auch durchaus von Erwachsenen gelesen werden.

Alle hohen Erwartungen die hierbei geschürt wurden, kann ich also als mehr als erfüllt betrachten und war sogar etwas von mir selbst überrascht, wie sehr mich diese Geschichte doch berührt hat. Alle die also genau so skeptisch sind wie ich es war, können also beruhigt sein und sollten beim Lesen jedoch nicht vergessen, eine Packung Taschentücher bereit zu legen.

Vier Künste gegen Hass – #BloGeHa

Auch bei mir hat die YouTube Aktion #YouGeHa deutlichen Anklang gefunden und als Sarah Marias Blog dies auf die Bloggerwelt übertragen hat, konnte ich mir es natürlich nicht nehmen lassen, auch meinen Beitrag dazu zu leisten. Also ganz richtig ist das nicht. Zuerst bin ich durch Frau Margaretes Beitrag auf die Aktion gestoßen. Sie stellte eine wunderbare Auswahl von Filmen gegen Hass zusammen und das inspiriere mich irgendwie.
Da es auf meinem Blog jedoch nicht nur um Filme geht, sondern auch um Serien, Bücher und Musik, möchte ich aus jeder Kategorie etwas vorstellen, das gegen Hass in allen möglichen Lebens- und Gesellschaftsformen ist. Ganz so einfach war es nicht, aber was ich gefunden habe, hat es durchaus in sich und ist dieser Aktion auf jeden Fall würdig.

Buch: John Boyne – Das Späte Geständnis des Tristan Sadler
Quelle: www.gofeminin.deEin Buch das glaube ich gar nicht so vielen bekannt ist, jedoch eine äußerst traurige Geschichte erzählt. Dabei muss ich jedoch aufpassen nicht zu viel zu verraten.
Tristan Sadler erzählt der Schwester seines gefallenen Kameraden Will was sie ihm Krieg alles erlebt haben. Dabei kommen erschütternde Tatsachen ans Licht, die auch Tristans Leben weiter prägen. Das vorherrschende Motiv des Buches ist natürlich der erste Weltkrieg, in dem junge Männer voller Begeisterung für ihr Land eingezogen sind und gegen andere Nationen aufgehetzt wurden, um politische Probleme auf blutige Weise zu lösen. Doch das Buch zeigt in Tirstans intimen Bericht nicht nur den Hass gegen die Kriegsgegner, sondern auch gegen die eignen Kameraden, gegen Kriegsdienstverweigerer und Leute die sich bewusst gegen das System wenden. Und schließlich auch einen den Hass der Gesellschaft, mit den Tristan bin in die Gegenwart kämpfen muss und die ihn dazu brachte, trotz seines Ruhms, nur noch in Angst und Vereinsamung zu leben.
Boyne zeigte ja schon mit Der Junge im gestreiften Pyjama, wie erschütternd und widersprüchlich der Hass gegen bestimmt Menschengruppen ist. Dieses etwas unbekanntere Werk seinerseits ist mindestens genauso lesenswert und verbindet vermeintlich vergangene und gegenwärtige Werte auf erschränkende Art.

Film: Gran Torino (2008)
Quelle: imdb.comDer stolze Amerikaner (mit polnischen Wurzeln, versteht sich) Walt Kowalski (Clint Eastwood) lebt in einer kleinen Vorstadt, welche ihre frühere Idylle längst verloren hat. Die Nachbarschaft setzt sich nun mehr aus afroamerikanischen kriminellen Gangs und ostasiatischen Einwanderern zusammen. Für Walt also die Hölle auf Erden. Doch er muss erleben, dass diese Menschen ihn mit der Zeit mehr schätzen als seine eigenen Familie. Nun weiß der sture, rassistische alte Mann selber nicht, wie er diesen, wohl durchaus freundlichen Menschen, gegenübertreten soll, die er doch so verabscheut.
Als einer meiner liebsten Clint Eastwood Filme, zeigt Gran Torino wunderbar, dass Hass nicht nur auf Gegenseitigkeit beruht und dass es nie zu spät ist sich zu verändern, auch wenn man dafür zu stolz scheint. Und schließlich zeigt er, dass wir uns doch alle ähnlicher sind, als wir glauben, auch wenn sich viele etwas anderes einreden. Ich denke dieser Film kann jedem zum nachdenken erregen, denn selbst wer stets von sich behauptet ein guter Mensch zu sein (oder eben nicht) weiß noch immer nicht, wie er wohl möglich von außen betrachtet wirkt.

Serie: One Tree Hill „Bilder von dir“ (4.13)
Quelle: coolspotters.comHier habe ich keine ganze Serie gewählt, die auf Hass aufmerksam macht, auch wenn es beistimmt eine gibt, die ich nur noch nicht gesehen habe. Dafür habe ich mir eine ganz bestimmte Folge des High-School Dramas One Tree Hill ausgewählt. Zwar geht es nicht unbedingt um Hass, aber dennoch um Voreingenommenheit, Rücksicht und Aufmerksamkeit.
Unsere Protagonisten und ihre Mitschüler befinden sich kurz vor ihrem Schulabschluss und zu diesem Anlass, überlegte sich der Lehrer eine ganz besondere Schulstunde. Die Schüler der Klasse werden zu willkürlichen Paaren ausgelost und erhalten einen Fragebogen, sowie eine kleine Kamera. Sie sollen sich zusammen an irgendeinen Ort der Schule zurückziehen und durch die Fragen ins Gespräch kommen und sich vielleicht besser kennen lernen. Beendet wird das Projekt mit einen aussagekräftigem Foto für das Jahrbuch.
Unter Fans wird diese Folge oft als etwas schwächer angesehen, aber für mich ist es eine der besten der Serie. Sie sticht ziemlich aus dem üblichen Serienalltag heraus und könnte deswegen auch gut für sich alleine stehen. Doch was macht die Folge so besonders? Die Paare, die aufeinander treffen, sind teils alte Freunde und teils völlig Fremde. Doch alle schaffen es, sich auf einer neunen Ebene kennen zu lernen. Sie erzählen von persönlichen Erlebnissen, Ängsten, Geheimnissen oder erkennen sogar Gemeinsamkeiten. Ohne diese Schulaufgabe hätten sie das wahrscheinlich nie gesehen oder sogar nie miteinander gesprochen. Somit führt einem diese Folge vor Augen, dass, wenn wir unseren Horizont etwas erweitern und mehr auf die Menschen und Freunde in unserer Umgebung achten, viel neues über uns selbst und andere lernen können.

Musik: Rise Against – Hero of War (Appeal to Reason)
Das Thema Musik fiel mir besonders schwer, weil es darin so viel Auswahl gibt, die ich noch nicht kenne. Trotzdem musste ich gleich auf Anhieb an meine Lieblingsband aus dem Bereich Punk/Rock/Melodic-Hardcore denken, Rise Against. Bei Punk Bands im Allgemeinen und vor allem bei dieser hier, ist es ja fast üblich, dass sie sich in ihrer Musik mit gesellschaftlichen und weltverbesserden Themen auseinandersetzen. Deswegen gibt es wahrscheinlich eine Menge Songs, die hier rein passen würden, ich hab mich jedoch für meinen persönlichen Klassiker entschieden.
Hero of War ist eine Ansage gegen die Kriegsführung. Zwar wird es nicht namentlich erwähnt, aber es lässt sich klar erkennen, dass vor allem der kriegerische Patriotismus der Amerikaner gemeint ist. Inhaltlich geht es in dem Liedtext um einen jungen Mann, der für sein Land in den Krieg zieht und dort schlimmes erlebt. Jedoch merkt er mit der Zeit selber, wie ihn der Zusammenhalt dort begeistert und er beginnt, trotz anfänglicher Zweifel, Leute zu schikanieren und zu foltern. Erst als er einen wehrlosen Zivilisten erschließt, wird ihm klar, dass er dort nicht hingehört und das all die Auszeichnungen, Narben und die Flagge für die er kämpf, doch eigentlich wertlos sind.
Soweit meine Interpretation des Textes, zu der eigentlich nicht viel hinzu zu fügen ist. Einen Krieg gegen fremde Mensche, im Namen des Landes und seiner Politik zu führen, ist mehr als nur falsch. Dabei auch noch die Naivität junger Menschen auszunutzen und unbegründeten Hass zu schüren, der sich nur in den seltensten Fällen rückgängig machen lässt, sollte verboten gehören. Um die Eindringlichkeit und Ernsthaftigkeit, mit der die Band diese Botschaft rüber bringt, versteht sich umso besser, wenn man es selbst hört.

Das waren sie also. Die vier Vertreter meiner liebsten Formen der künstlerischen Darstellung, die uns und auf Hass, Ignoranz, Schubladendenken, Verbrechen und noch vieles weiteres, was man nicht so einfach übersehen sollte, aufmerksam machen. Wahrscheinlich gibt es noch viel mehr Bücher, Filme, Serien oder Songs die das umso besser zeigen und dafür sollten wir dankbar sein. Natürlich nicht für die Gründe solcher Darstellungen, sondern vielmehr dafür, dass sie uns auf Dinge aufmerksam machen, die viel zu oft vergessen oder einfach übersehen werden.

Wer nun auch inspiriert ist, sich an dieser Aktionen zu beteiligen, findet alle nötigen Infos auf Sarah Marias Blog. Die Blogparade geht noch bis zum 28. Februar und ist es definitiv wert weiter getragen zu werden.

Bernhard Schlink: Der Vorleser

Der_Vorleser_-_detebe_22953_1997Erschienen: 1995

Verlag: Diogenes

Genre: Roman

ISBN: 3-257-22953-4

Klappentext:
Sie ist reizbar, rätselhaft und viel älter als er… und sie wird seine erste Leidenschaft. Eines Tages ist sie spurlos verschwunden. Erst Jahre später sieht er sie wieder – als Angeklagte im Gerichtssaal. Die fast kriminalistische Erforschung einer sonderbaren Liebe und bedrängenden Vergangenheit.

Rezension:
Was Literatur-Trends angeht, hinke ich ja immer ein bisschen hinterher und da ich diesen Klassiker nicht einmal in der Schule lesen musste, habe ich ihn mir jetzt erst recht vorgenommen. Zwar habe ich den bekannten Film dazu schon gesehen, jedoch ist das ziemlich lange her und ich glaube, damals verstand ich noch nicht so richtig worum es in der Geschichte eigentlich geht. Umso interessanter war es natürlich jetzt das Buch zu lesen und zu verstehen.

Auch wenn man meinen könnte, es sei sinnlos ein Buch zu lesen, dessen Geschichte und Ende man schon kennt, war das im Fall des Vorlesers gar nicht so störend. Schließlich ist ein Buch etwas ganz anderes als ein Film und ich bin mit Vergleichen was das angeht immer sehr vorsichtig.

Überzeugt wurde ich hier einzig und allein von Schlinks Schreibstil. Er umschreibt mit so einer Leichtigkeit, dass man gerade durch die Kapitel fliegt und dennoch erzeugt er ausführliche Umschreibungen mit viel Liebe zum Detail. Sowohl das eine als auch das andere machen für mich ein gutes Buch aus und er schafft es beides gekonnt zu verbinden.

Im Vordergrund steht natürlich der Protagonist und Ich-Erzähler Michael Berg, der uns durch sein vielschichtiges Leben führt und dessen prägsames Gemüt man mehr und mehr zu verstehen lernt. Während ich vorher immer davon ausgegangen bin, dass es im Wesentlichen um seine Liebschaft Hanna Schmitz gehen wird, wurde einem in den vielen Monologen über Schuld, Scham, Angst und Verantwortung klar, das Schlink eigentlich zeigen wollte, was die Begegnung und Erfahrung mit Hanna aus dem zielstrebigen „Jungchen“ gemacht hat und wie sehr ein Mensch ein ganzes Leben prägen kann.

Natürlich kommt Hanna selbst hier auch nicht zu kurz, denn auch was sie betrifft fand ich einige neue Erkenntnisse. Man kann nicht leugnen dass der Holocaust in der zweiten Hälfte des Buches eine immer zentralerer Rolle einnimmt. Und da man dieses Thema in der Schule schon viel zu oft und viel zu trocken durchgekaut hat, hat es hier so einen leicht bitteren Beigeschmack. Aber der Fall von Hanna ist dann doch wieder ein bisschen anders und interessanter.
Schlinks Beschreibung der Gerichtsverhandlungen beleuchten nicht nur die grausame Zeit des Holocausts sehr gut, sondern auch die oft vergessene Zeit danach. Die Ausschwitzprozesse sind ein sehr komplexes Thema, bei dem um die Fragen des Täters, Opfers, Mitläufers oder tatsächlich Schuldigen viel diskutiert werden kann. Das Buch gibt hier einen guten Anstoß sich doch einmal etwas länger mit diesem Thema zu beschäftigen.

Ich bin also in vielerlei Hinsicht von diesem Werk begeistert. Schlink schafft es auf nur 200 Seiten zwei vollkommen unterschiedliche Menschen zu porträtieren, dies in einen historisch interessanten Kontext zu setzten und gleichzeitig eine inspirierende Liebe zur Literatur darzustellen. Am Ende fragt man sich wie das Buch nur so dünn sein kann obwohl doch so viel drin steckt, ohne überladen zu wirken. Nicht ohne Grund schon jetzt eine moderner Klassiker der Weltliteratur.

Charlotte Roche: Feuchtgebiete (Rezension)

9783548280400_coverErschienen: Februar 2008

Verlag: Ullstein

Genre: Roman (mehr fällt mir dazu nicht ein)

ISBN: 978-3-548-28040-0

Klappentext:
Nach einer missglückten Intimrasur liegt die 18-jährige Helen auf der Inneren Abteilung von Maria Hilft. Sie wartet auf den Besuch ihrer geschiedenen Eltern, in der Hoffnung, die beiden könnten sich am Krankenbett der Tochter endlich versöhnen. Unterdessen nimmt sie jene Bereiche ihres Körpers unter die Lupe, die gewöhnlich als unmädchenhaft gelten und lässt Krankenpfleger Robin die Stellen fotografieren, die sich ihrem neugierigen Blick entziehen. […] ihr ungestümer Witz und ihre Wahrhaftigkeit machen sie zu einer Sensation nicht nur auf der Station des Krankenhauses. Sie spricht aus, was andere nicht einmal zu denken wagen.

Rezension:
Vor jetzt schon zwei Jahren habe ich dieses Buch zum Geburtstag bekommen und damals nur kurz angelesen. Irgendwie war es bei mir, trotz seiner großen Bekanntheit, in Vergessenheit geraten. Aber als ich von der deutschen Verfilmung hörte, die im August in die Kinos kommt, dachte ich mir, dass es doch die perfekte Gelegenheit wäre, dieses Buch einmal zu lesen.

Ich habe zuerst geglaubt zu wissen, was mit diesem Buch auf mich zukommt, aber schnell musste ich erkennen, dass dem ganz und gar nicht so war. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es Charlotte Roche geschafft hat, sich solche wirklich widerlichen Geschichten auszudenken (jedenfalls hoffe ich, dass sie sich die nur ausgedacht hat). Es gibt ja immer diese Polarisierung, ob dieses Buch einfach nur ehrlich oder komplett übertrieben ist. Ich hatte gehofft, dass es auf eine merkwürdige Art ehrlich ist, aber schon nach den ersten paar Kapiteln merkte ich, dass der Charakter der Helen schon ziemlich übertrieben dargestellt ist, dies aber wohl genau die Absicht der Autorin war.

Wenn man glaubt die wirklich ekelhafteste Anekdote aus ihrem Leben schon gelesen zu haben, dauert es nicht lange, bis sie noch einen drauf setzt. Ich bin auch ganz froh dieses Buch meist bei mir zu Hause und nicht in der Öffentlichkeit gelesen zu haben. Denn oft reagierte ich auf manche Passagen mit einem lauten „Igitt!“, was das ganze Buch irgendwie zu einem seltsamen aber doch neuem Leseerlebnis machte.
Ich muss aber auch zugeben, dass das letzte Drittel dann langsam an Unanständigkeiten nachlässt. Ich weiß nicht, ob ihr die Ideen ausgegangen sind, oder ob sie das Buch einfach nur seicht ausklingen lassen wollte. Vielleicht hat man sich als Leser auch einfach nur so sehr an Helens Verhalten gewöhnt, dass einen einfach nichts mehr überraschen konnte. Auf jeden Fall fand ich das ganz erfrischend, weil ich so auch Helens Wesen etwas besser nachvollziehen konnte.

Wie ihr vielleicht merkt, weiß ich selber noch nicht ganz was ich von diesem Werk halten soll. Ich denke ich kann mich nicht einem Extrem anschließen. So fand ich es zwar schon irgendwie seltsam und verstörend, aber genau das war das Interessante, was so ein Skandal-Buch ja auch irgendwie ausmacht.

Katrin Bongard: Subway Sound (Rezension)

IMG_8203Erschienen: März 2013

Verlag: Oetinger Taschenbuch

Genre: Jugendliteratur

ISBN: 978-3-86430-012-7

Klappentext:
Kannst du dir vorstellen, auf der Straße zu leben?
Für Livia keine Frage! Seit sie nach Berlin gezogen ist, geht ihr dieser Straßenjunge mit dem Hund nicht mehr aus dem Kopf. Warum lebt er wohl auf der Straße? Und wie ist es, Tag und Nacht draußen zu verbringen? Livia will es wissen. Für 24 Stunden vergisst sie ihre cooles neune Freundinnen, ihr iPhone und ihre Designerklamotten, läst einfach ihr Leben und alle Annehmlichkeiten hinter sich und stürzt sich in das Abenteuer „obdachlos“…

Rezension:
Mir hat es selten so viel Spaß gemacht ein Buch zu lesen! Und das, obwohl ich aus dem Alter für solche Bücher eigentlich schon längst raus bin. Aber dem Jugend-/ YoungAdult- oder CommingUpAge-Genre bin ich, was Bücher Filme und Serien angeht ja sehr zugetan. Aber das ist eigentlich nicht unbedingt der Hauptgrund, warum mir dieses Buch so gefallen hat, denn zur Geschichte an sich kommen wir später.

Dieses Buch spielt nämlich komplett in meiner Heimat Berlin. Darüber hab ich mich schon vor dem Lesen sehr gefreut und hab mich gefragt, an welchem Fleck in dieser großen Stadt sich die Protagonistin wohl ansiedeln wird. Und bei den vielen Orten, Bezirken und Kiezen, (ist das die Mehrzahl von Kiez?) fiel das Los tatsächlich auf die Gegend rund um den Nollendorfplatz in Schöneberg. Auch wenn ich dort nie gewohnt habe, so habe ich dort doch die vier interessantesten und vielfältigsten Jahre meiner bisherigen Schulzeit verbracht (7. bis 10. Klasse). So musste ich beim Lesen meine Phantasie kaum anstrengen, denn Katrin Bongard hat es tatsächlich geschafft, diesen Ort so darzustellen, wie ich ihn besser nicht beschreiben könnte. Selbst die kleinen Details, wie die Pizzeria, der Arabische Imbiss „Habibbi“ (bester Schwarma in Berlin!) oder sogar die Drogerie, mögen für Unkundige nicht viel Bedeutung haben, aber mich hat das sofort wieder ein paar Jahre in die Vergangenheit versetzt.

IMG_8204So fand ich aber nicht nur in der Location Parallelen mit denen ich mich identifizieren konnte. Auch die Geschichte gab einiges her, denn es ist ja erst vier Jahre her (man kommt mir das lang vor) da war ich auch noch 14, so dass ich das Ganze aus einer Art Vogelperspektive betrachtete. Auch wenn das Denken der jüngeren Charaktere dieses Buches manchmal so herrlich naiv ist, spiegelt es dennoch ziemlich gut wieder, wie man sich in diesem alter verhält und nicht selten habe ich mich oder Freunde von mir darin wieder erkannt.

Auch die Thematik hat es durchaus in sich, denn vor Allem in Berlin ist Obdachlosigkeit ein Thema, was man relativ schnell übersieht, weil es ja fast schon zum Alltag gehört. Ich erinnere mich selber noch gut daran, wie befremdlich das wirkte, als ich auf meinem täglichem Schulweg so vielen Obdachlosen begegnete, doch man glaub kaum wie schnell man sich daran gewöhnt. Gerade deswegen finde ich es gut, dass man mit diesem Buch gerade die jüngeren Leser darauf aufmerksam macht und zeigt, wie leicht es doch ist hin- und nicht immer wegzuschauen.

So hat man am Ende ein Buch, von denen es wie ich finde mehr geben sollte. Den die Geschichte ist kein zuckersüßes Mädchengesülze, wie man es so oft für diese Zielgruppe findet, sonder triff eine ehrliche und wichtige Aussage, weshalb ich dieses Buch ohne bedenken an Bekannte und Verwandte in diesem Alter weiterempfehlen kann und auch werde…

John Boyne: Der Junge mit dem Herz aus Holz (Rezension)

u1_978-3-596-85477-6Erschienen: März 2012

Verlag: Fischer Verlag

ISBN: 9783596854776

Genre: Kinderbuch

Ich liebe ja solche Kinder und Jugendbücher, in denen auch ältere Leser ihren Anspruch finden. Und gleichzeitig habe ich in letzter Zeit auch noch Gefallen an John Boyne gefunden, sodass ich mit Freuden zu diesem Buch gegriffen habe.

Klappentext:
Eines Morgens läuft Noah von zu Hause fort. Ein einsamer Waldweg führt ihn zu einem Spielzeugladen voller Zauber und Magie. Hier lernt Noah einen sehr ungewöhnlichen Spielzeugmacher kennen. Der alte Mann hat viel zu erzählen. In seiner Geschichte geht es um Abenteuer, Wunder und gebrochenen Versprechen. So nimmt er Noah mit auf eine Reise. Eine Reise, die Noahs Leben verändern wird. Und die auch unser Leben verändern könnte.

Rezension:
Ich ahnte sofort, dass Boyne hier eine sehr liebevolle und auch liebenswerte Geschichte geschaffen hat, die nicht unbedingt durch ihre Grundstory überzeugt, sondern eher durch Kleinigkeiten. Die Welt in die man hier eintaucht scheint ganz normal zu sein, doch mit der Zeit wird einem erst klar, dass es eine fast schon verzauberte Märchenwelt ist. Diese wird keines Wegs überheblich oder besonders auffällig dargestellt. Es kommt viel mehr auf kleine Details an, die einen immer wieder zum Schmunzeln bringen.
Die Intention die dahinter steckt wird einem schon relativ schnell klar, doch ich fand noch besonders schön, dass man erst gegen Ende des Buches erfahren hat, was für eine Geschichte eigentlich noch in dieser Geschichte steckt.

Natürlich liest dich das Buch recht schnell, weil es ja für Kinder gedacht ist. Ich persönlich lese solche Geschichten jedoch sehr gerne und hatte deshalb gerade in den kalten Wintertagen meine Freude damit. Zum abendlichen Vorlesen ist es denke ich auch ein Ideales Werk und deshalb eine große Empfehlung an alle Eltern, die ihren Kindern eine wirklich nette und liebevolle Geschichte präsentieren wollen.

Greta Zicari: Dämonenschicksal (Abgebrochen)

IMG_4594Erschienen: 20. Sep. 2012

Verlag: Net-Verlag

ISBN: 978-3942229760

Genre: Fantasy

Klappentext:
Eine ungewollte Schwangerschaft stürzt die junge Prinzessin Kassandra ins Unglück und in der Folge ihr Land in einen düsteren Krieg des Elends und Dämonenterrors. In dieser dunklen Zeit setzen sich an unterschiedlichen Orten junge Leute in Bewegung: Sie fliehen vor den Kriegswirren und dem Dämonenterror, machen sich auf die Suche nach einem besseren Leben und müssen dafür gefährliche Wege in Kauf nehmen. Auf ihren abenteuerlichen Reisen erleben die jungen Leute, was Liebe und Zusammenhalt bedeuten und dass es eine Macht gibt, die größer sein kann als die der Dämonen. Als sich ihre Wege kreuzen, müssen sie ihre unterschiedlichen Weltbilder überprüfen, und es kommt zu dramatischen Entdeckungen und Entwicklungen

Ich mache so etwas eigentlich relativ ungern und auch ziemlich selten, denn jedes Buch hat eine Chance verdient mich zu überzeugen. In diesem Fall summierten sich die Gründe jedoch so sehr, dass es mir irgendwann zu Kopfe stieg. Zuerst hatte ich mich gefreut, über den Fantasy Roman einer jungen, unbekannten Autorin. Denn ich bin nicht nur ein riesiger Fan dieses Genres, sondern auch der Klappentext hatte mich überzeugt.
Der Einstieg in die Geschichte hat mich umso neugieriger gemacht, weshalb ich über die ersten kleinen Schönheitsfehler noch hinwegsehen konnte. Doch später waren sie schließlich Teil meiner Entscheidung, das Lesen abzubrechen.

Ich hatte mich wie gesagt auf eine Fantasy Geschichte eingestellt und durch Namen und Landgarten das Ganze als High Fantasy eingestuft. Vom der Art der Erzählung gleicht es jedoch keinem großen Fantasy Epos, sondern ist eher als Jugendbuch einzuordnen. Dagegen habe ich eigentlich nichts einzuwenden, nur habe ich mit der Kombination Jugend-High Fantasy noch keine Erfahrungen gesammelt. Und ich konnte mir auch nur schwer was darunter vorstellen, weil es doch ein sehr anspruchsvolles Genre ist. Aber es gibt ja auch viele Jugendbücher, die eben auch diesen Anspruch halten können, nur hatte ich von diesem Buch nicht den Eindruck.
Dies zeigt sich vor allem im Schreibstil, der mich am meisten gestört hat. Man könnte es so ausdrücken, dass ein paar Sätze weniger der Buch wohl nicht schaden würde. Es wird viel mit genauen Beschreibungen gearbeitet, die teilweise vom Thema abschweifen, überflüssig sind und wo anders (bei der Charakterbildung) wieder fehlen. Das liest sich sehr anstrengend und es kommt irgendwie nicht richtig auf den Punkt.

IMG_4567Die Geschichte an sich hat eigentlich viel Potenzial, doch auch da scheiterte es an der Umsetzung. Es laufen 3-4 Geschichten parallel ab, bei denen auch deutliche Unterschiede auffallen. So haben mir zwei Geschichte immer recht gut gefallen (vom Schreibstil mal abgesehen), weil sie auch sehr handlungstragend waren und ich gemerkt habe, dass sich die wichtigen Ereignisse wohl dort abspielen werden. Eine weitere Geschichte, die sich um flüchtende Kinder in einem Weisenhaus dreht, konnte mich nicht für sich gewinnen. Hier zeigte sich besonders dieser lästige Schreibstil, durch den ich Bedenken hatte, ob es sich wirklich um High Fantasy handelt. Ich habe ja nicht gegen gelegentliche Umgangssprache, aber in diesem Fall hat es einfach nicht gepasst. Gerade High Fantasy muss ja besonders authentisch und episch wirken, selbst wenn es sich hierbei um eine Art Jugendbuch handelt. Da kann man einfach nicht Wörter wie „Big Boss“ verwenden, weil das völlig fehl am Platzt ist und teilweise auch nervt.
Hinzu kommt, des es in diesem Teil auch noch unheimlich viele Charaktere gibt. Fast schon zu viele würde ich sagen, so das man irgendwann den Überblick verliert und alle so ein bisschen, aber keinen so richtig kennenlernt.

Was auch noch ein wichtiger Teil meiner Entscheidung war, ist, dass ich bisher 175 von 608 Seiten gelesen habe, es mir aber so vorkommt als hätte ich bereits über 300 Seiten gelesen. Von der Handlung her ist aber noch nicht allzu viel passiert, was das Ganze ziemlich schleppend wirken lässt (ich hoffe es ist klar was ich meine).

Und so läuft das alles zusammen und ich finde es unglaublich schade, aber irgendwann hatte ich einfach keine Freude mehr und die vielen kleinen Mängel überschatteten die Neugier nach der Story. Normalerweise gebe ich solchen Büchern schon allein aus Respekt gegenüber der Autorin, die bestimmt sehr viel Arbeit in dieses Buch gesteckt hat, noch die eine oder andere Chance. Aber wenn ich nach 175 Seiten schon so viel zu schreiben hab, will ich gar nicht wissen, was wäre, wenn ich es zu Ende gelesen hätte. Vielleicht wage ich mich irgendwann nochmal daran, wenn ich genügend Zeit finde und gar nichts mehr zu lesen habe…

Katrin Bongard: Radio Gaga (eBook)

Radio Gaga CoverErschienen: Novmber 2012

Verlag: Red Bug Books

Genre: Jugendlitereatur

Für nur 5,99€ zum Download

Wieder einmal legte mir das e-book Label Red Bug Books ein Jugendbuch ans Herz und da ich von Katrin Bongards Flying Moon ja so positiv überrascht wurde, wagte ich mich auch an ihr nächstes Buch, dessen Titel mir immer wieder einen Ohrwurm verpasst.

Inhalt:
Frech, anarchisch, sexy – so cool war Radio noch nie. Eine Geschichte über das Radio machen, Freundschaft und die erste Liebe.  Ein Piratensender in einem alten Grenzwachturm mit einem abgedrehten Programm? Rocco (16) ist fasziniert und muss die Radiocrew unbedingt kennenlernen. Radio Gaga bedeutet für Rocco Freiheit, Liebe, Musik – kurz alles, wofür es sich zu leben lohnt. Kurz darauf ist er tatsächlich dabei, lernt von John zu moderieren, verliebt sich in Ramona, prügelt sich mit Bert, flirtet mit Anna und geht auf Sendung mit Mika. Moderieren ist wie Fliegen, findet Rocco. Doch gerade als alles perfekt zu sein scheint, droht die Räumung des Wachturms. Einfach aufgeben? Kommt nicht in Frage. Freunde und Fans stehen der Radiocrew bei, es wird gefeiert und weiter gesendet. In den letzten intensiven Tagen von Radio Gaga erscheint alles klarer und auch Rocco erkennt, wen er wirklich liebt.

Rezension:
Ich hab irgendwie immer recht selten Bücher mit solch einer Thematik gelesen, in denen es einen männlichen Protagonisten gibt, der zusätzlich noch in der Ich-Perspektive steht. Woran das liegt kann ich nicht unbedingt sagen, aber es war interessant zu bemerken, dass es in der Entwicklung des Charakter keine großen Unterschiede zu Mädchen gibt, da es eben auch nur ein Teenager ist, der seine Probleme mit Familie, Freunden und der großen Liebe bewältigen muss.
Auch wenn es hierbei natürlich um die klassischen Jugendthemen geht, so hatte ich den Eindruck, dass das Ganze doch etwas tiefgründiger verpackt ist. Das merkt man allein schon am dem kleinen Prolog, in dem mit wunderbar gewählten Worten die Stadt Berlin und überhaupt die ganze Atmosphäre der Geschichte beschrieben wird (Leseprobe hier).

Rocco hat den nötigen Identifizierungswert ohne, dass es irgendwie aufgedrückt wirkt, was ich sehr angenehm finde. Außerdem habe ich ihn mit der Zeit immer mehr liebgewonnen. Der sympathische Neuankömmling aus München mit Italienischen Wurzeln, der trotz der Klischeemöglichkeiten kein bisschen arrogant oder typisch südländisch wirkt. Das hat mir gleich von Anfang an gut gefallen und mit der Zeit wurde sein Wesen, welches sich erst durch die Perspektive des Ich-Erzählers richtig offenbart hat, immer naiver, so dass er mir schon fast Leid tat. Das ist eigentlich genau das, was er vermeiden will, aber nicht kann und dass das auch beim Leser ankommt finde ich sehr interessant. Auch von den restlichen Charakteren bekommt man einen ziemlich guten Eindruck, vor Allem natürlich von der Radio Gaga Crew. In ihr spürt man sowohl den Zusammenhalt und die tiefe Freundschaft, als auch die Differenzen und Probleme, die sich hierbei bilden und bilden können.

WIRECENTERNeben der Geschichte und den Charakteren hat mich an erster Stelle die Atmosphäre überzeugt, die ich hier ganz besonders mitempfinden konnte. Natürlich auch, weil es in meiner Heimatstadt Berlin spielt und ich diese Grenztürme kenne und mir deshalb ein ziemlich gutes Bild davon machen konnte. Von der Stadt an sich ist nicht so viel die Rede, was gar nicht mal schlimm ist, weil es nicht unbedingt handlungstragen ist. Zur Atmosphäre gehört aber vor allem die Chemie zwischen den Charakteren. Die genaue Handlung ist für mich dabei immer eher zweitrangig und hier ist das auch so. Denn auch wenn die Geschichte keineswegs langweilig oder trist ist, so habe ich es vor Allem genossen den Gesprächen und Moderationen im Radio Gaga Turm beizuwohnen. Man hatte nach einer Zeit wirklich das Gefühl, dazu zu gehören und ich wäre am liebsten selber auf mein Fahrrad gestiegen und zum Turm gefahren oder hätte einfach mein Radio auf die Radio Gaga Frequenz geschaltet.

Trotz der oft freundschaftlichen Stimmung, schreckt die Autorin hier nicht vor gewagten Themen wie Drogen, Sex und dem Tod zurück und setzt damit einen deutlich höheren Anspruch, der auch noch dadurch unterstrichen wird, dass viel mit Bildern und Metaphorik gearbeitet wird. So ist Radio Gaga zwar ein Jugendbuch, richtet sich jedoch mehr an „ältere“ junge Leute, was ich gut finde, weil es irgendwie so ein Zwischengere ist, was zu wenig ausgefüllt wird und eben auch „Nicht-Leser“ an dieses Hobby heranführen kann.

Ich hatte also wieder viel (wenn nicht sogar mehr) Freude an einem Bongard Buch und war wieder einmal von mir selbst erstaunt, wie ansprechend ich dieses Genre doch finde. Auf die angekündigten Fortsetzungen freue ich mich schon sehr und übrigens war das Buch ursprünglich als Drehbuch geplant und ich bin auch froh über die Umsetzung als Buch, weil sonst die Intention der Geschichte vielleicht nicht zu 100% entfaltet werden könnte. Aber was nicht ist kann ja noch werden und im Nachhinein kann ich mir eine Verfilmung durchaus verstellen (wenn man sich nicht allzu blöd anstellt), denn es reizt mich schon Mika, Ramona, John, Anna, Bert und natürlich Rocco im bewegten Bild zu sehen…

Katrin Bongard: Flying Moon (eBook)

 

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Erschienen: September 2012

Verlag: Red Bug Books

Genre: Jugendlitereatur

Amazon Kurzbeschreibung:
Ein rockiges Aschenputtel, ein trauriger Prinz, eifersüchtige Ex-Freundinnen: Ein modernes Liebesmärchen. Flying Moon ist die Geschichte der 16 jährigen Moon, die auf einer Filmparty einen Jungen trifft und sich sofort in ihn verliebt. Was Moon nicht weiß: er ist ein Filmstar, sein Ruf als Verführer legendär. Nach einer stürmischen Annäherung werden beide unfreiwillig getrennt. Ein Jahr später treffen sie auf einem Filmset zufällig wieder aufeinander und sollen ein Liebespaar spielen.

Rezension:
Ab wann merkt man als Leser eigentlich, dass man mit seinen Lesestoffen die Grenze von Young Adult- zu Erwachsenenliteratur überschritten hat? Ich habe durch Flying Moon jedenfalls wieder einmal festgestellt, dass ich aus diesem Genre immer noch nicht rausgewachsen bin…

Vor einer Liebesgeschichte unter Teenagern bin ich erst ein wenig zurückgeschreckt, da es dabei meist auf übermäßige Klischees und Vorhersehbarkeit hinausläuft (obwohl junge Leser meist genau das lesen wollen). Mich reizte jedoch mehr die Thematik des Filmgeschäfts und der Schauspielerei, da ich das Gefühl hatte, daraus könnte sich eine ziemlich gute Geschichte entwickeln.
Und so ist es schließlich auch gekommen. Die erfüllten Vorurteile waren so dargestellt, dass man sie verstand und nicht als übertrieben oder vorhersehbar empfand. Man bekam viel mehr das geboten, das man sich bei so einer Geschichte gewünscht hat.

In jeden Charakter bekam man den Einblick, den man brauchte und durch die Ich-Perspektive von Moon, verstand man ihr Wesen natürlich besonders gut. Dies sorgte für noch bessere Identifizierungsmöglichkeiten, was bei der Zielgruppe ja immer besonders wichtig ist. Man konnte jede Freude und jeden Schmerz von Moon sofort verstehen. Trotzdem hatte ich bei einer ziemlich wichtigen Person immer das Gefühl, ihn nicht wirklich durchblicken zu können. Auch wenn man vom Filmstar Lasse einen recht guten Eindruck bekommt, so hatte ich nie eine wirkliche Vorstellung seiner Gefühle und Gedanken. Natürlich sollte der Fokus auf Moon liegen, aber mich hätte in einigen Situationen eben auch die andere Seite interessiert.

Neben den Charakteren und deren Story konnte mich vor allem die Atmosphäre überzeugen. Man konnte sich sofort in das Klima am Set des Films hineinversetzten. Die Liebesgeschichte wurde hin und wieder sogar zweitrangig und man versetzte sich einfach in die Routine eines Drehtags hinein.  Schließlich fühlte man bei jeder neuen Freundschaft und Verabschiedung mit und wollte sich  am Ende am liebsten wirklich den fertigen Film ansehen.

Insgesamt also eine Liebesgeschichte die alles mit sich bringt was sie braucht und sich durch die authentische Kulisse eine gewisse Einzigartigkeit verschafft, die das Zeug dazu hat sich durchzusetzten.