Spielbericht: Gray Matter

Sie Schöpferin der Gabriel Knight Reihe Jane Jensen, beweisst, in ihrem 2010 erschienen Adventure, wieder einmal bestens ihr Können. Vom französischen Wizarbox entwickelt und bei der deutschen dtp entertainment AG erschienen, erzählt Gray Matter von übernatürlichen Wahrnehmungen und künstlerischen Inszenierungen:
Die unabhängige Zauberkünstlerin Samantha Everett ist auf dem Weg nach London, als sie sich verfährt und in Dr. Styles Dread Hill Anwesen in Oxford landet. Um sich erstmal über Wasser zu halten, gibt sie sich als Studentin aus und nimmt an Styles’ Experimenten Teil. Doch den Experimenten folgen merkwürdige Ereignisse, denen Sam und David Styles auf den Grund gehen müssen.

Die beiden Hauptcharaktere, die man Kapitel abwechselnd spielt, könnten verschiedener nicht sein. David ein renommierter Neurobiologe und Oxford Dozent, der bei einem Autounfall seine geliebte Frau Laura verloren hat und seither zurückgezogen in seinem Anwesen wohnt. Und die elternlose, Trickzauberin Sam, die durch die Länder zieht und unbedingt im angesehenen Deadalus Zauberclub auftreten will.
So verschieden wie sie sind, haben sie auch völlig verschiedene Vorstellungen von der Lösung der geheimnisvollen Geschehnisse in Oxford. Dr. Styles, der sich seit dem Tod seiner Frau mit übersinnlichen Kräften befasst, ist davon überzeugt, dass der Geister von Laura mit ihm in Kontakt treten will. Sam hingegen, bleibt auf dem Boden der Tatsachen und denkt, dass jemand in Oxford eine meisterhafte Zauberinszenierung im Schilde führt, um im Deadalus Club aufgenommen zu werden. Gegenseitig wissen sie nichts von den Theorien des anderen und das macht es umso interessanter, denn sie bilden kein einheitliches Team, was versucht, das Geheimnis zu lüften. Viel mehr sind es zwei ganz unterschiedliche Geschichten und jeder ist fest davon überzeugt, dass er/sie richtig liegt. Nun weiß man bis zum Ende des Spiels immer noch nicht, ob es nun etwas mit übernatürlichen Kräften zu tun hat, oder ob es ein „simpler“ Zaubertrick war.
Auch wenn man weiß, dass nur einer richtig liegen kann, ergreift man im Spiel keines Falls Partei, denn auf irgendeine Weise ist man von beiden Seiten überzeugt. Dadurch, dass es zwei fast unterschiredliche Geschichten sind, wird es umso interessanten, als die von den Theorien des jeweils anderen erfahren, aber mehr zur Geschichte will ich nicht verraten.

Die Rätsel bilden eine gute Mischung aus schlüssig und knifflig und vor allem Sam bekommt vom Deadalus Club ziemlich raffinierte Rätsel aufgesetzt. Doch in einigen wenigen Situationen, werden keine Hinweise darauf gegeben, was als nächstes zu tun ist, weil es kein Tagebuch im üblichen Sinne gibt, sondern nur eine Auflistung der letzten Dialoge, die einem selten weiterhelfen. Eine neuartige Auflockerung haben jedoch die Zaubertricks geboten, die Sam in manchen Situationen anwenden musste. Clever eingesetzt, musste man im Zauberbuch den passende Trick raussuchen und die einzelnen Schritte genau anwenden.

Die Grafik kann sich durchaus sehen lassen und viele Kulissen wurden mit Liebe zum Detail original nachgezeichnet. Nur an der Steuerung wurde gespart. So ist das Inventar zwar schnell in der oberen Leiste mit der Maus erreichbar, doch die Hotspots wurden erst nach einigen Sekunden oder vermehrten Aufrufen sichtbar. Viele lästige Ladezeiten, zum Beispiel zwischen dem Wechseln eines Raumes, verzögerten das Spiel immer mehr und unterbrachen die Spannung.

Eine faszinierende Neuheit, auf die ich mich im Spiel immer wieder gefreut habe, waren jedoch die Videosequenzen. Oft mit viel Aufwand animiert, waren es bei Gray Matter selbst gezeichnete Standbilder, über die rüber geschwenkt wurde. Es ist vielleicht schwer vorzustellen, aber es sieht wunderschön aus und durch die eindruckvolle Musik von Robert Holmes und The Scarlet Furies,wurden die Videos zu einem einzigartigem Ereignis im Spiel.

Zusammenfassend kann man sagen, das Jane Jensen alle Erwartungen an das Spiel erfüllt hat, denn die Geschichte ist unheimlich spannten aufgebaut und die Charaktere facettenreich und unikal ausarbeitet. Außerdem beweißt sie wieder einmal ihre Liebe zum Detail, durch sehr gründliche Recherchen und Hintergrundinformationen. Durch innovative Rätsel und einen künstlerischen Hauch, unterscheidet sich Gray Matter noch einmal mehr von herkömmlichen Adventuren. Doch umso mehr ärgert es einen, das bei so einem wunderbaren Adventuer Bugs in der Steuerung und lange Ladezeiten auftreten, den sonst hätte es wirklich ein rund um vollkommenes Spiel werden können.
Aber lasst euch davon nicht abschrecken, denn nichts desto Trotz ist es ein mitreißendes Spielerlebnis, welches man nicht so schnell vergisst.

Links:
Gray Matter Official Webseite
dtp entertainment
wizarbox

Adventure-Spiele

Neben meinem großen Interesse für Bücher, Filme, Serien und Musik, ist nebenher auch noch das Spielen von „Point-and-Click“ Adventuren, zu meinem Hobby geworden. Obwohl ich nicht der Typ Mensch bin, der den ganzen Tag vor dem Computer sitzt und Spiele spielt, so hat mich dieses Genre doch in ihren Bann gezogen. Das liegt wohl daran, dass es hierbei nicht darum geht Highscores zu knacken und den Gegner zu besiegen.  Es wird viel mehr eine Geschichte erzählt, die sich im Laufe des Spiels immer näher ergründet und auf derer Ausgang man wie gebannt hinarbeitet.

Für alle die, die sich darunter überhaupt nicht vorstellen können möchte ich kurz beschreiben, wie so ein Adventure-Spiel um Groben abläuft:
Man spiel meist eine Person, (oder auch mehrer zwischen denen man wechseln kann oder die je nach Spielstand gewechselt werden) die ein Grundproblem zu lösen hat. Das kann je nach Geschichte alles Mögliche sein. Besonders beliebt sind Aufklärungen von Kriminalfällen. Es gibt aber auch ein breites Spektrum anderer Möglichkeiten, wie zum Beispiel gruselige Horror und Mystery Adventure, in denen man seltsamen Geschehnissen auf den Grund gehen muss. Oder fantastische Fantasy Adventure, in denen ein Held sein Land vor dem Untergang bewahren muss. Oder auch völlig skurrile Adventure, in denen man zum Beispiel aus einer Irrenanstalt ausbrechen muss. Es gibt also eine riesige Palette an Auswahl, wo für jeden was dabei ist.

Man bekommt also eine spannende Geschichte und einen willigen Charakter vorgesetzt. Und was jetzt? Nehmen wir mal das das Beispiel eines klassischen Krimis, der gelöst werden muss. Stellen wir und vor (diese Geschichte denke ich mir jetzt selber aus), in der Straße in der dein Charakter, Peter, lebt geschah ein Mord und als erste Verdächtiger, wird dein bester Freund Paul festgenommen. Du kannst das natürlich nicht glauben und gehst der Sache auf den Grund. Ab jetzt geht das Spiel so richtig los. Untersuche die Stadt, sprich mit Leuten, sammle nützliches Inventar und löse Rätsel um deinem Ziel immer näher zu kommen. Das ist allerdings nicht nur ein gradliniges ablaufen von Spielständen, die zu erledigen sind. Jeder Schritt muss gut überlegt sein und jeder Zusammenhang erkannt werden.

Damit ihr ein etwas besseres Bild davon bekommen könnt, habe ich hier ein Gameplay von einem meiner Lieblingsspiele, Black Mirror 2. Von der eigentlichen Story der Black Mirror Trilogie wird in dem Video nichts verraten (also keine Sorge KEIN SPOILER). Aber es ist ganz gut um zu sehe, wie das so abläuft.

Aufgebaut ist das Spiel oft in einzelne Kapitel, zwischen denen meist eine Videosequenz als Übergang dient. Als Grundstein für ein gutes Adventure dient natürlich eine gute Story, doch das allein trägt noch nicht alles. So kann auch der Aufbau der Rätsel das Spiel dem entsprechend ab- oder aufbauen. Aber auch schlechte Grafik und Spielsteuerung können einem den Spaß nehmen. Diese können übrigens auf die unterschiedlichste Weise gestaltet werden. Von hoch auflösenden Animationen bis zu gezeichneten Comicgrafiken. Und als letzten und oft vergessen Punkt ist noch der Soundtrack zu erwähnen, der erst so richtig Stimmung aufkommen lässt und der hin und wieder auch zum Ohrwurm wird.

Um dieses ganze Genre jedoch erst so richtig verstehen zu können, muss man es schon selber erleben und herausfinden, ob es einen pack. Aber Vorsicht! Nicht einfach im Laden noch dem günstigsten Adventure greifen, dass ihr finden könnt, nur um es mal auszuprobieren. Denn da kann man einiges Falsch machen.
Im Internet findet man massig Testbericht für fast jedes Adventure auf dem Markt. Die bekannteste und meinerseits auch beste Seite dafür, ist der Adventure-Treff. Dort findet man neben ausführlichen Testberichten auch Trailer, Screenshots und immer wieder Neuigkeiten zu aktuellen Spielen, Entwicklern und Erscheinungsdaten. Leider sind die Testberichte nur alphabetisch und nicht nach Genre sortiert, doch im Forum findet man immer Hilfe und Beratung bei Fragen.

Wenn ihr nun Lust bekommen habt schaut einfach im Adventure-Treff vorbei oder schreibt mir einen Kommentar, damit ich weiß in welche Richtung es gehen soll. Bestimmt kann ich dem einem oder anderem etwas empfehlen.
Ihr seid schon alte Adventurehasen? Dann lasst mich doch wissen, welches bisher euer liebstes war.