John Boyne: Das späte Geständnis der Tristan Sadler (Rezension)

Erschienen:  Februar 2012

Verlag: Arche Verlag

ISBN: 9783716026649

Klappentext:
„London, September 1919: Der junge Tristan Sadler steigt in einen Zug. Er fährt nach Norwich, um sich dort mit Marian Bancroft, der Schwester seines toten Kameraden Will, zu treffen. Will und Tristan waren Freunde, die Seite an Seite im ersten Weltkrieg gekämpft haben, bis Will eine folgenschwere Entscheidung traf. Tristans Bericht ist erschütternd, und doch bleibt er Marian die schreckliche Wahrheit schuldig – vorerst.“

Rezension:
Mit dem Ziel, der Schwester seines gefallenen Kameraden ein Bündel Briefe zu überreichen, fährt Tristan Sadler nach Norwitch. Der Erste Weltkrieg ist vorüber, doch noch immer plagen ihn die Gedanken und Erinnerungen, um die Vorfälle an der Front und den Tod seines Freundes Will. Nun erzählt er ihr die ganze Geschichte und erst im letzten Moment bringt er es übers Herz, ihr die ganze Wahrheit zu berichten.

Es ist nicht so wie ich es zuerst gedachte habe. Nämlich, dass Tristen, in einen unendlichen Redeschwall gelangt, in dem er Marian alles erzählt. Nein, es wurde viel interessanten gestaltet. Die Kapitel erzählen abwechselnd von seiner Zeit im Krieg und seinem Besuch in Nowitch. Teilweise sind sogar Erinnerungsstränge aus seiner Zeit vor dem Krieg zu lesen. Diese drei Perspektiven, vor dem Krieg, während des Krieges und nach dem Krieg, gebieten einen facettenreichen Einblick in Tristans Persönlichkeit. So merkt man sofort, dass er im Krieg eine starke Charakterwandlung durch gemacht haben muss und das ist es auch, was neugierig macht.
Auch bei der Gestaltung des Charakters der Marian, nutzt Boyne seinen Spielraum aus und man hat sie schon nach ein paar einen Dialogen mit Tristan durchschaut. Selbst wenn der Mittelteil ein bisschen zäh wirkt, weil es an einigen Stellen schon vorausschauend wird, hat mich das letzte Drittel des Buches vollkommen in den Bann gezogen. Die Geschichte nimmt einen hinreisenden Lauf und hat mich sogar schon fast zu Tränen gerührt.

Boyne versteht es wirklich, schon nach wenigen Sätzen ein umfassendes Charakterbild zu schaffen, so das man im Laufe der Geschichte an nicht anderes mehr denken kann, als die Gedankenstränge von Tristan, Will, Marian und der vielen, äußerst komplexen Nebencharaktere. Außerdem ist es ihm vor allem in den letzten Kapiteln sehr gut gelungen, die Emotionen in Worten zufassen. So kam es schon vor, dass ich auf den letzten Seiten, das Buch weglegen mussten und einfach nur mit offenem Mund da saß, weil ich schon fast nachfühlen konnte, was Tristan durchgemacht hat.
Es ist ein wirklich Herz zereisendes Buch, das in ein paar Jahren sogar zum Klassiker werden könnte und ich sehe auch schon die Kinoleinwand hell aufleuchten.

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